15 Dezember 2006

Check-in beim Facharzt

Mal wieder ein kurzer Besuch beim Facharzt. Neue Medikamente, neue Krankschreibung, sonst wenig neues. Die stehengebliebene Uhr im Wartezimmer, auf die ich die Sprechstundenhilfe bei meinem letzten Besuch freundlich hingewiesen hatte, steht immer noch still (ich weiss allerdings nicht, ob sie noch auf der gleichen Zeit wie damals). Zum ersten mal eine Cosmopolitan durchgeblättert. Irgendwie schon interessant als Kulturgut.

Tempus Fugit

... Zeit vergeht. Und weil ich einfach nicht dazu komme, einige Formalia dieses Weblogs abzuarbeiten, blogge ich auch weiterhin mit angezogener Handbremse. Da blieben einige wichtige Infos auf der Strecke. Meine Krankenkasse ist nicht so schlecht, wie ich sie gemacht habe. Auf Anruf wurde mir gleich ein Antrag auf Befreiung weiterer Zuzahlungen für dieses (Kalender-)Jahr zugesandt, weil ich ja mein Schärflein schon entrichtet habe. Natürlich mache ich das jetzt nicht mehr für die verbliebenen 16 Tage. Aber mein zuviel bezahltes Geld will ich ja schon wieder haben. Und vom ARGE habe ich einen positiven Bescheid für Arbeitslosengeld II erhalten. Geld war auch schnell auf der Bank. Gleich diverse Rechnungen bezahlt. Vorräte eingekauft, wie Weiland meine Uroma selig (hat zwei Weltkriege und eine Vertreibung mitgemacht). Bei zwei Sonderangeboten einen ganzen Quartalsvorrat an Verbrauchsprodukten angelegt. Gleich an meinem Verstand gezweifelt. Ich habe nämlich weder Weltkrieg noch Vertreibung mit machen müssen. Bin trotzdem traumatisiert. Kommt Zeit, kommt Rat ... ?

Arm sein

Zu meinem letzten Beitrag gibt es erweiternd eine interessante Betrachtung der Lebensumstände armer Menschen im ThoBlog. Ich bin glücklich, nicht arm zu sein - eine Familie zu haben, die mich unterstützt ... fast befürchte ich, wieder besseren Wissens ... (Via Hackblog)

07 Dezember 2006

Von Würde, Medikamenten und Zuzahlung

Wie aufmerksamen Lesern bekannt ist, stecke ich momentan in der blöden Lage, auf eine Bewilligung von staatlicher Sozialhilfe warten zu müssen, während mein Konto andrerseits quasi unter Beobachtung steht: sämtliche Geldeingänge werden mir als Einkünfte angerechnet - auch wenn sie nur als Leihgabe der aktuellen Sicherung meiner grundlegendsten Bedürfnisse dienen sollten. Da ich vorher ja in der Ausbildung steckte, sind auch keine Rücklagen vorhanden. Ergo heißt das, dass ich Momentan ziemlich sparsam sein muß.

In diesem Zusammenhang wird dann die Zuzahlung bei Medikamenten ein Thema. War es auch bisher aufgrund meines beständig geringen finanziellen Spielraumes nicht immer angezeigt, mir Medikamente sofort zu kaufen sondern lieber bis zum nächsten Monatsanfang zu warten, ist die Lage momentan doch deutlisch angespannter. Hinzu kam schon früher eine gewisse soziale Scham, weil Medikamente ja nun mal zwischen 5 und 10 € Zuzahlung kosteten und man prinzipiell ja nicht vor der unangenehmen Überraschung gefeit war, dass man unvermittelt mehr als erwartet hätte zahlen müssen. Auch, bei jedem Medikamentenkauf vorher zu fragen, Was ist denn da die aktuelle Zuzahlung ist keine angenehme Situation - noch weniger die Möglichkeit, sagen zu müssewn Oh, dass kann ich mir heute nicht leisten, ich komm dann noch mal wieder. Auf der anderen Seite die Alternative, auf verschriebene Medikamente zu verzichten. Wie war das mit der Unantastbarkeit der Wüde des Menschen?

In meiner mometanen Situation muß ich mich schon fragen, welches meiner Medikamente unerläßlich ist, und was nur die Lebensqualität steigert. Das ist in Gesundheitsdingen schon eine harte Frage - bei insgesamt drei Medikamenten aber durchaus schnell zu beantworten. So kam ich zu dem Schluß, ein mir ausgestelltes Rezept für ein Medikament der letztern Gruppe vorerst nicht einzulösen. Mit dem Effekt, dass mir nun beständig leicht übel ist, vergleihbar mit der Morgenübelkeit nach übermäßigem Alkoholkonsum. Nur eben beständig. Ich hatte es ja schon erwähnt: manchmal bin ich ein Trottel!
So gelang es mir, doch tatsächlich - erneut - meine Rezepte durcheinander zu hauhen und in der Apotheke das falsche Rezept vorzulegen. Als ich also murrend mein Portemonaie zücken wollte, wurde ich informiert, dieses Präperat ist nach der neuesten Reform von der Zuzahlung komplett befreit ... Ratet mal, wie ich mich danach gefühlt habe. Ich gebe Euch einen Tipp: es war nicht würdevoll ...

Es gibt ja für Leute in meiner Situation durchaus Lichtblicke, denn bekanntlich gibt es ja eine Obergrenze für Zuzahlungen von jährlich 2% des Brutoeinkommens. Dank Krankenhausaufenthalt bin ich da dann auch deutlich drüber, eher so Richtung 4%. Natürlich finden sich solche Informationen auf der Homepage meiner Krankenkasse. Es findet sich sogar der Hinweis, das chronisch Kranke nur insgesamt 1% des Brutolohnes zuzahlen müssen sowie die Möglichkeit, sich gegen Zahlung von 2% des Brutolohnes im Vorraus (am Jahresanfang) für das Jahr von der Zuzahlung frei zu machen. Natürlich findet sich nicht, was man den nun "durchmachen muss", um als chronisch Kranker anerkannt zu werden. Natürlich findet sich auch nach intensiver Suche keine Infos zum Einreichen oder Beantrage einer Rückerstattung "zuviel" geleisteter Zuzahlungen, kein Vordruck Marke Einkomen dies, Zuzahlung dass, als Anlage die entsprecheden Belege. Nicht mal eine postanschrift für diesen Zweck.
Mal ganz abgesehen davon, dass in Deutschland niemand auf die Idee käme, dass die Krankenkasse, mich - ihren Kunden - darauf hinzuweisen, sollten mir Rückzahlungen zustehen (denn was ich als Einkünfte habe, dass wollen sie ja schon wissen, um meinen Beitrag festlegen zu können ...).

Zum Schluß bleibt dann eigentlich nur die (bange) Frage, ob das Arbeitsamt eine Rückzahlung der zuviel geleisteten Zuzahlungen letztlich auch als Einkünfte wertet ...

06 Dezember 2006

Manchmal bin ich auch ein Trottel ...

Da habe ich es geschaft, bei der Bitte um ein neues Rezept die Namen zweier meiner insgesamt drei chemischen Glücksbereiter zu vertauschen - was ich natürlich erst merkte, als man mir in der Apotheke nicht das Medikament gab, das ich erwartet hatte ...
Doppelt blöd, denn eigentlich hate ich das Medikament in Eigenregie abgesetzt (... gut, das hört sich jetzt auch wieder doof an; prinzipiell war das Medikament als eher leichte und nebenwirkungsarme Übergangslösung gedacht gewesen, und ist nach meinen Problemen im Sommer halt durch schwerere Geschütze ersetzt worden - die aber eine mehrwöchige Vorlaufzeit zur Wirkungsentfaltung brauchen, weswegen das erste Medikament dann auch nicht offiziell abgesetzt wurde; praktisch habe ich das Medikament schlicht und einfach ständig vergessen zu nehmen, und weil das keine negativen Auswirkungen hatte - und ich das Medikament auch früher definitiv nicht vergessen hätte - bin ich dann dabei geblieben).

Ich bin halt auch nur manchmal ein Trottel!

29 November 2006

Mal wieder krankschreiben lassen

Da meine Krankschreibung am auslaufen war, mußte ich also wieder beim Facharzt vorstellig werden. Neues Rezept bitte, sonst nicht viel zu berichten. Aber eine bange Frage. Das Arbeitsamt will wissen, wie denn meine (gesundheitlichen) Zukunftsprognosen aussehen (bei längerer als sechsmonatiger Krankschreibung würden die mich dann gerne zum Sozialamt abschieben - wunderbare Vorstellung: mich nicht nur mit einem Amt in einem kräfteraubenden Disput befinden, nein, Spielball zwischen zwei Ämtern werden ... Angst kommt auf). Nach Beginn einer Therapie binnen sechs bis acht Wochen wieder eingeschränkt belastbar, sagt der Arzt. Weiss noch nicht, ob ich mich freuen soll. Oder eben nicht. Muß die Therapieplatzsuche wieder forcieren.

18 November 2006

Zu Besuch bei Fremden

Vor einer Woche habe ich zum ersten mal wieder Leute besucht, die zwar von meinen Problemen mit Agoraphobie gehört hatten, aber nur aus zweiter Hand, nämlich durch den Musiker. Besagte Leute, ein Päarchen, sind durchaus nette Leute, die ihrem Freundeskreis engagiert zur Seite stehen. Aber da ich nicht zu ihrem Freundeskreis gehöre, stand es außerhalb jeder Erwartung, dass sie mir in meiner Kriesenzeit Hilfe anbieten, Anrufen oder eine Mail schreiben. Trotzdem bin ich mir sicher, dass sie mir im Notfall geholfen hätten, wenn ich sie expliziet um Hilfe gebeten hätte. Kumpels halt.

Bei meinem Besuch - bei dem es weitestgehend um gemeinsame Hobbies (unsere einzige Verbindung) ging - kam die Sprache nun auch auf mich und meine schwere Zeit. Dabei sind mir zwei Dinge wiederfahren, die mich dann immerhin die ganze Woche nicht los gelassen haben.
Zunächst mal dieser Mir-ist-was-ganz-ähnliches-passiert-Zwang. Heutzutage kann niemand (den ich kenne) mehr wirklich zuhören, jedesmal müssen Antworten mit einem eigenen Bezug (oder doch zumindest mit einem Bezug zu anderen Bekannten) gefunden werden.
Und als zweites ein Kommentar von der Dame des Hauses: Ist aber immerhin schön zu sehen, dass man in so einer Situation Freunde hat, die sich um einem kümmern. Ich hatte das Bedürfnis, darauf zu antworten, hab das Bedürfnis aber unterdrückt. Sicher, ich hatte meine (zwei) Leute, die für mich einkaufen gegangen sind, Rezepte, Überweisungen und dergleichen zwischen Ärzten und Apotheken transportiert haben. Aber die habe es mir nicht leicht gemacht. Der eine (der bereits vorgestellte Musiker), wohnt recht weit entfernt und ist terminlich eigentlich ausgelastet - auch kann ich mich spontan nicht daran erinner, dass er mich in den 10 Jahren unserer Bekanntschaft jemals von sich aus angerufen hätte. Eine Haltung, die er auch in meiner Kriesenzeit nicht geändert hat. Der zweite, Heinrich (von dem an anderer Stelle ausführlicher zu berichten sein wird) hat grundsätzlich ein Problem damit, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen und hat es mir sicher auch nicht leicht gemacht. Er wußte, dass er aufgrund seiner räumlichen Nähe zu mir und seiner relativ hohen Freizeit nun mal der war, für den diverse Botendienste mit dem geringsten Aufwand verbunden waren. Das Problem ist, dass er kein gutes Gespür für die Kritikfähigkeit seiner Mitmenschen hat, am wenigsten meine. Er hat nie ein Probleme, sich über etwas zu beschweren. Das führte dazu, dass ich ihn nur im Notfall ansprechen wollte. Letztendlich ist er einmal die Woche für mich einkaufen gegangen. Und in diesem Sommer bedeuteten grade meine Getränkebedürfnisse (obwohl ich gewohnheitsmäßig oft Leitungswasser trinke) eine hohe Traglast. Nicht selten in den 12 Wochen meiner Krise hab ich 'noch einen Tag länger' ausgehalten, bevor ich ihn um einen Einkauf bat. Auch fehlt dem jungen Mann doch sehr stark Eigeninitiative - wenn von meiner Einkaufsliste Artikel nicht vorrätig waren, hat er nie vorgeschlagen, in den kommenden Tagen nochmal oder bei einem anderen Supermarkt vorbei zu schauen. Und ich hatte nicht das Gefühl, dass es für meine Versorgungssituation förderlich sein würde, ihn durch weitere Forderungen zu verärgern.
Ich hatte also insgesamt nicht das Gefühl, Stärke in meinen Freunden zu finden. Meine Hilfsbedürftigkeit hat meine Erwartungen in die Begrenztheit meines sozialen Umfeldes recht deutlich bestätigt. Niemand hat mich im Stich gelassen - aber es ist auch niemand über sich hinaus gewachsen ...

Mein Problem ist nun eigentlich, dass manche Dinge, manche Geschehnisse, Abläufe, Situationen aus meiner Kriesenzeit eigentlich aufgearbeitet werden müssten, mit den Betroffenenbesprochen werden. Das würde aber auch Kritik an meinen Helfern bedeuten. Aus meiner Lage heraus habe ich natürlich auch diverse Fehler gemacht. Manchmal Hilfe als selbsverständlich angesehen. Häufig erst 'in letzter Minute' um Botengänge und Einkäufe gebeten, was dann bei meinem Helfer zu einem unglücklichen Terminplan führte.
Und wegen meiner Fehler und der Dankbarkeit glaube ich, nicht in der Lage zu Kritik zu sein. Außer hier vielleicht. oder im Therapeutengespräch.
Deswegen habe ich letzte Woche zu dem Thema geschwiegen ...

14 November 2006

Mit angezogener Handbremse ...

Momentan blogge ich hier viel seltener, als ich eigentlich möchte. Das liegt zu weiten Teilen daran, dass ich - vor allem im Bereich Navigation und so ziemlich allem, was sich im rechten Menu finden sollte, noch einiges vorhabe, aber beständig auf Schwierigkeiten stoße. Zudem bin ich auch mit meinem Blog-Tool (Windows Live Writer) sehr unzufrieden - was zu einem guten Teil daran liegt, dass es die Möglichkeiten von Blogger Beta (wo dieses Blog gehosted wird) nicht unterstützt. Und momentan komme ich nicht dazu, mir ein neues Tool zu suchen. Zudem kenne ich mich nur (halbwegs) mit HTML aus, wohingegen Blogger Beta eben mit dessen Derivat XML arbeitet - wieder Probleme, die aufzulösen mir momentan die Zeit fehlt.

Arztbrief

Ich war ja Mitte des Jahres wegen einer Thrombose mit anschließender (kleiner) Lungenembolie im Krankenhaus. Dabei wurde auch eine Testreihe mit Bluttests angesetzt, um festzustellen, warum ich schon in so jungen jahren eine Thrombose habe und ob bei mir eventuell erblich bedingt ein erhöhtes Risiko für Thrombosen besteht.

Eigentlich war auch nach meiner Entlassung ein persönliches Gespräch in der der Abteilung angeschlossenen Ambulanz vorgesehen, dass ich aber wegen meiner Angsprobleme abgesagt habe. Statt dessen habe ich vor drei Wochen einen Arztbrief angefordert. Mittlerweile ist der dann auch eingetroffen. Und wow, bin ich nach dem Lesen angepisst!



  1. Testergebnisse: Am wichtigsten waren mir die Testergebnisse der Blutuntersuchungen - schließlich werde ich das mein Leben lang jedem Arzt erzählen (müssen). Die erteilte Auskunft ist jedoch höchst oberflächlich, nämlich Hereditäre Thrombophilie als heterozygote Faktor 2 Mutation oder einfacher genetisch bedingtes doppeltes Thrombose Risiko. Aber nichts über die durchgeführten Tests! Denn aus dem an meinem Krankenbett geführten Dialog meines Assistenzarztes und seines Chefs schließe ich, dass die Testreihe nicht wirklich standardisiert ist. Oder: Ich weiss nicht mal heutzutage, ob die wirklich alle 'angezeigten' Tests durchgeführt haben - wie blöd ist as, wenn ich in 30 Jahren einem Arzt berichten muß, das da 2006 was festgestellt wurde, und keiner weiß, welche neuen Erkenntnisse (und Tests) dann vorliegen. Das ärgerte mich sehr!

  2. Lungenentzündung: In Folge der Lungenembolie entwickelte sich eine leichte Entzündung des Lungengewebes, weswegen ich im Krankenhaus dreimal täglich einen Antibiotika-Tropf bekam. Da mein Entlassungstermin wegen anderer Umstände kurzfristig nochmal (über ein Wochende) nach hinten verschoben wurde, hatte ich nur veraltete Informationen über die weitere Behandlung dieser Lungenentzündung (hatte einfach vergessen, da noch mal nachzufragen). Bei meinem ersten Hausarztbesuch hab ich also die halbe Praxis in Arbeit gestürzt, rauszufinden, ob ich eigentlich noch weiter Antibiotika brauchte. Nach fünfmaligem weiterverbinden hat eine Sprechstundenhilfe schließlich als Antwort Nein erhalten.
    Der Arztbrief sagt nun aus Wir empfehlen weiterhin die Kontrolle der Entzündungsparameter nach Entlassung. Vier Monate später! (Und auch der Ambulanztermin wäre einen Monat nach Krankenhausentlassung gewesen ...)

  3. Angstsymptomatik: Die Angst hatte schon recht weit von mir Besitz ergriffen, was auch meinem behandelnden Arzt nicht verborgen geblieben war. Er bot mir an, die Einstellung auf weiterführende Medikamente durchzuführen (sprich: Antidepressiva), was ich aber im Vertrauen auf meinen Facharzt zurückwies. Weiterhin wies er mich auf eine örtliche Spezialklinik mit angeschlossener Ambulanz hin und stellte dies als weitere Therapiemöglichkeit vor, insbesondere wenn ich mit dem Fortgang meiner geplanten (ambulanten) Gesprächstherapie nicht zufrieden wäre. Im Arztbrif heißt es nun Wir [...] empfahlen die Aufnahme einer stationären Therapie. Daran kann ich mich nicht erinnern!

05 November 2006

Der Musiker

(Dieser Eintrag beschäftigt sich mit einer Person, die für mein Leben besonders wichtig ist - bei neuen Entwicklungen wird er ergänzt werden)



Geize mit dem Augenblick
aber verschende Dein Leben

Der Musiker hat mit mir angefangen, zu studieren. Es handelt sich um einen kleinen naturwissenschaftlichen Studiengang - viele sozial unbeholfene Jungs, ein paar Mädels. Alles in allem überschaubar und daher lernte man jeden (und meist auch aus dem vorherigen und folgenden Jahrgang) kennen.
Der Musiker zeichnete sich nun dadurch aus, dass er erstens eine Freundin in der Heimat hatte und zweitens durch sein Hobby Musik noch enen zweiten Freundeskreis besaß, während die meisten Komolitonen doch irgendwie auf die Mitstudierenden als Freizeitgefährten angewiesen waren.


Recht schnell erkannte der Musiker, dass er mit dem Studienfach nicht wirklich glücklich werden würde. Er verpasste jedoch den rechtzeitigen Zeitpunkt zum Absprung und ging somit des BAFöGs verlustig. Er suchte sich einen Job, der ihn sehr einspannte und von der Herde entfernte. Als erster erlebte er, wie wenig sich innerhalb der Gruppe um andere gekümmert wurde: wer zufällig anwesend war, wurde zu allen Aktivitäten informiert und eingeladen - aber niemand telefonierte jemandem hinterher (und Handys/SMS/eMail waren noch nicht so verbreitet). Häufig hieß es dann Hat eigentlich jemand dem Musiker bescheid gesagt?. Häufig war die Antwort Schulterzucken ...


Sein Engagement auf der Arbeit und in einer Band führte dazu, dass sich der Musiker häufig mit mehreren kolidierenden Terminen konfrontiert sah. Zumeist schien er erstmal bei allen zuzusagen (bzw. nicht NEIN zu sagen) und sich erst kurzfristig für einen bestimmten zu entscheiden. Das brachte ihm den Spitznamen Kapitain zuverlässig ein - "Kommt 'der Musiker'? - Er hat 'vielleicht' gesagt ... - Also 'Nein!'" ...


Er trennte sich schließlich - nach monatelangen Ankündigungen - von seiner Freundin und hatte schon ein Auge auf eine Komolitonin geworfen. Die älteste Geschichte der Welt: Junge verliebt sich in Mädchen - Mädchen will 'nur Freunde' sein - Junge geht drauf ein, kommt aber nicht über sie hinweg - sie beginnt eine Beziehung - Junge besäuft sich und beleidigt sie im besoffenen Kopf. Was ein weiterer Grund für seine Entfernung von der Gruppe sein dürfte.


Der Musiker setzte sein Leben fort, versuchte sich in zwei Durchgängen an der örtlichen FH (was teilweise an Desinteresse, teilweise an Koordinatiosproblemen zwischen Job und Studium lag), fand eine neue Freundin, zog mit ihr zusammen. Es folgte lange Zeit relative Funkstille.


Prinzipiell habe eigentlich nur ich Kontakt zu ihm gehalten, und das auch aus wenig altruistischen Gründen: er hatte eine Flatrate und ich wollte Sachen heruntergeladen haben. Erwähnenswert ist auch, dass der Musiker bei einem Umzug nicht - wie sonst allgemein üblich - auf die Hilfe der versammelten Gruppe zurückgegriffen hat, sondern das mit zwei Arbeitskolegen selbst in die Hand nahm - obwohl er bei Umzügen anderer Leute stets hilfsbereit war.


Es kam zum abrupten Ende seiner Beziehung, und damit hatte er wieder mehr Zeit. Mittlerweile hatte er ein Fernstudium begonnen und dank guter Fortschritte war klar, dass er das zuende bringen würde. Zudem begann er mehrere Hobbies: Golfen, InternetPoker, AmericanSports. Auch weiterhin ging er durch verschiedene soziale Gruppen, und hat aus den letzten zehn Jahren eigenen Angaben zufolge genau einen Freund 'mitgenommen'.


Im Zuge meiner Erkrankung ist er über sich hinausgewachsen, das kann man nicht anders sagen. Er ist zwar nicht der Typ, der bei mir anruft und fragt, Was kann ich tun? oder auch nur Wie geht es Dir?. Aber bei jedem Ich brauche ... war er sofort zur Stelle. Ob es nun mein Hilfeersuchen aus dem Krankenhaus war (ich bin für mich eher überraschend wegen einer Thrombose vom Hausarzt eingewiesen worden und hatte daher keine Kleidung dabei), gelegentliches Einkaufen (er musste immerhin vom anderen Ende der Stadt anreisen), Begleitung bei meinem ersten Einkaufen und schließlich bei meinem Kontakt mit dem Arbeitsamt (beim ersten mal vier Stunden Schlangestehen, Begleitung beim zweiten Termin).
Dafür bin ich ihm ewig dankbar!

02 November 2006

Beim Arbeitsamt - Erstantrag

Jetzt war es soweit, dass ich zum ersten Mal selbst beim Arbeitsamt war. Bekanntlich war ich ja bis Ende Oktober Student, habe nichts verdient und entsprechend ist Hartz IV, was mich dann erwartet. Zunächt hatte ich Anfang Oktober - im Schutz einer ärztlichen Krankmeldung - Freund Musiker mit Vollmacht vorgeschickt, meinen Antrag klar zu machen. Er ist also hingegangen, hat vier(!!!) Stunden rumgestanden, bis er endlich dran kam. Dann hatte er einen eher unwischen Sachbearbeiter dran, der mit der Situation da-schickt-einer-einen-mit-Vollmacht-ausgestatten-Vertreter-vorbei wohl auch eher schlecht zurecht kam. (Und ich hatte ein echt schlechtes Gewissen, dem Musiker das aufgebürdet zu haben).
Musiker brachte mir dann auch schlechte Kunde mit: mein Antrag sei zwar ab jetzt eingegangen und Geld würde dann im Bewilligungsfall zu dem Zeitpunkt rückwirkend fließen. Aber zum Erstantrag müsse ich unbedingt und "ohne Möglichkeit da raus zu kommen" persönlich erscheinen.
Es folgte ein Testlauf (im wahrsten Sinne des Wortes ...) zum Arbeitsamt, den ich gut verkraftete. Da meine Familie mich zunächst auch weiter finanziell unterstützt und ich ja im Schutz der Krankmeldung war gestaltete es sich für das Arbeitsamt zunächst etwas schwierig, mit mir einen Termin zu vereinbaren ...
Schließlich (nach den Arztbesuchen) fühlte ich mich der Aufgabe gewachsen, hatte aber doch den Musiker dazugebeten und eine prophylaktische Vollmacht für ihn ausgestellt. Die Antragsabgabe lief aber sehr gut. Hatte eine sehr entspannte und freundliche Sachbearbeiterin. Jedoch erhielt ich zwei schlechte Nachrichten: das im Oktober seitens meiner Familie leihweise eingegangene Geld würde mir als Einkommen angerechnet werden (das werde ich also - anders als geplant - nicht schnell zurückgeben können; aber meine Familie hat diese Nachricht gelassen aufgenommen) und das Arbeitsamt will von meinen Ärzten wissen, ob ich binnen sechs Monaten wieder arbeitsfähig sein kann - andernfalls schieben die mich als arbeitsunfähig zum Sozialamt ab - und machen mich zum Spielball zwischen den Ämtern. Davor habe ich Angst.
Ich bin mir auch noch nicht so ganz sicher, was ich von der Sachbearbeiterin halten soll. Sie hat zunächst nicht auf mein Mitbringsel reagiert. Warum ich den Musiker dabei hatte, habe ich erst gegen Ende der Unterredung erwähnt. Sie hat auch nicht auf die vielen kleinen Post-it's reagiert, die mein Antragsformular zierten 8alles punkte, wo ich aus Unsicherheit lieber erstmal nichts angekeuzt habe). Habe ich später zwar noch angesprochen und sie hat drübergeschaut und meinte, das sei so in Ordnung - aber ich befürchte, da werd ich dann nochmal hin müssen (mit Termin und -vorlauf von einer Woche) und mein Antrag findet seinen Weg wieder ans untere Ende eines Stapels.
Die Zeit wird es zeigen ...

Ärztliche Bestandsaufnahme

Nach mehreren Monaten war ich nun zum ersten mal wieder bei meinen Facharzt für Psychatrie. Zunächst war ich bei meinem Hausarzt, weil mir da die Crew irgendwie entspannter erschien. Beide meine Ärzte (der Hausarzt und der Facharzt) haben unglaublich lange Termin-Wartezeiten, aber täglich eine kurze Sprechstunde, zu der man ohne Termin kommen kann. Für meinen ersten Besuch in einem öffentlichen gebäude, wo man rumsitzt und warten muss - da schien mir zunächst der Hausarzt die bessere Wahl.
So bin ich dann erst zwei Wochen später beim Facharzt gewesen. Während der Wartezeit war ich recht ruhig, obwohl die Hitze im Wartezimmer und meine leichte Aufregung natürlich Hand in Hand gegen mich arbeiteten. Ich war Punkt zur Sprechstunde erschienen, drei Leute vor mir im Wartezimmer. Die waren ruck zuck verschwunden. Dann begann das Warten. Nach einer halben Stunde ins Behandlungszimmer. Nach weiteren zehn Minuten kommt der Arzt, setzt sich. ich berichte: seit acht Wochen verlasse ich das Haus wieder, habe mich exmatrikuliert, bin beim JobCenter gemeldet, will krankgeschrieben werden.
Der Arzt notiert, fragt, ob ich noch neue Medikamente brauche. Sein einziger "fachlicher" Kommentar: Sie melden sich dann wieder?!

29 Oktober 2006

Umzug

Zugegeben, jetzt war es wieder ein paar Tage ruhig hier. Das heißt aber nicht, dass wiederum eine monatelange Zeit des Schweigens beginnen würde. Nein, ich war - sozusagen im Hintergrund - eifrig damit beschäftigt, die bisherigen Daten zu Blogger Beta zu schaffen und mich dort ein bisschen einzuarbeiten. Haupthindernis war, das mein bisheriges offline-Blog Tool (das ansonsten sehr empfehlenswerte w.bloggar) eben (noch) nicht mit Blogger Beta zurechtkommt. Also ein neues Tool suchen (meine Wahl fiel auf den nigel-nagel-neuen Windows Live Writer), ausprobieren, und mich ärgern, das nichts klappt, wie ich es will ... was aber auch daran liegen mag, das ich mich gleich mit zwei Beta-Versionen rumschlage und ich schon recht lange am Rechner sitze, und konzentrationstechnisch auf dem letzten Loch pfeife.

Daher soll hier auch erstmal Schluß sein für jetzt. Es geht weiter!

25 Oktober 2006

Ich

(Hier geht es um mich, den Autor dieses Blogs. Diesen Beitrag werde ich von Zeit zu Zeit aktualisieren, wenn es neue Erkenntnisse über mich zu berichten gibt).

I lived my life in shadow,
Never the sun on my face
It didn't seem so sad though,
I figured that was my place
            Tara (im Buffy Musical) - I'm under your spell
 

Ich bin Anfang 30. Eigentlich intelligent. Die Amerikaner würden mich wohl einen underachiever nennen. Ich habe Abitur. Zvildienst geleistet. Ein naturwissenschaftliches Studium begonnen. Das Studium aufgrund meiner sozialen und psychischen Probleme nach 20+ Semestern erst einmal abgebrochen. Ich hoffe, es in absehbarer Zukunft wieder aufnehmen und erfolgreich abschließen zu können.

Ich komme aus einer kleinen Stadt. Ich sage nicht, welche. Meine Familie lebt noch dort. Mittlerweile lebe ich in Dortmund. Bin zum Studium hier her gekommen. Mehr sage ich dazu nicht.

Ich bin ein Scheidungskind. Das Nesthäkchen meiner Familie. Während ich meine Probleme vor mir hergeschoben habe, habe ich die Finanzen meiner Familieangehörigen stark belastet. Ich habe nie um etwas bitten müssen. Leider. Vielleicht hätte ich dann frühzeitiger meine Probleme angegangen. Vielleicht ... ein GROßES VIELLEICHT ...

Ich bin groß. Und dick. Eine Kombination aus langzeitigem Übergewicht und schwachen Bindegewebe verleiht mir ein etwas schwabbeliges Aussehen. Mir gehen langsam die Haare aus. Immer, wenn eine Frau etwas nettes über mein Äßeres sagen will, sagt sie Aber Du hast so schöne Augen. Meine Erscheinung ist mir weitestgehend egal.

Ich bin ein Kopfmensch. Ich grüble. Oft. Nehme Kleinigkeiten zu wichtig. Zu oft. Ich bin sensibel. Ich bin rechthaberisch. Aber ich lasse es niemanden wissen.

Ich bin ein Technikmensch. Ich brauche zwei Videorekorder. Einen DVD-Spieler. Einen Computer. Natürlich einen Fernseher. Ich habe noch nie vom Bett aus fern gesehen. Ich sehe viel zu viel fern. Es ist mein Hobby. Ich brauche keine Urlaubsreise. Keine Markenbekleidung. Kein Essen auswärts. Keine Konzertbesuche.

Ich habe keine Zimmerpflanzen. Schon gar keine Haustiere. Ich bin sozial unsicher. War nur für eine Schrecksekunde mal in einer Beziehung. Momentan will ich gar keine Beziehung. Ich habe Angst vor einer Beziehung. Zuviel Verantwortung. Ich bedaure, dass ich die Zeit für zwanglose Beziehungen in meinem Leben verpaßt habe.

Ich leide unter Agoraphobie. Angst ist ein beständiger Teil meines Lebens. Ich habe meine Angst mein Leben ruinieren lassen. Rückblickend kann ich manchal nur den Kopf schütteln. Aber ich habe trotzdem Angst vor dem Morgen.

Ich bin ein Nachtmensch. Nach Sonnenuntergang bin ich deutlich kreativer, als bei Sonnenschein.

21 Oktober 2006

Über dieses Blog

Zunächst mal: ja, ich bevorzuge für Blogs das 'Neutrum' - und lasse mich davon weder durch gute Worte noch Gewaltandrohungen abbringen!
Dieses Blog soll mir dazu dienen, mich mit meiner Situation - unter besonderer Berücksichtigung meiner psychischen Probleme - auseinander zu setzen. Meine Gedanken niederzuschreiben. Grade die, die mir schon seit längerer Zeit nicht aus dem Kopf gehen. Manchmal auch im Schreibprozeß Ideen zu entwickeln. Etwas greifbares zu haben, dass ich eventuell mal nachlesen kann. Erinnerungen zu fixieren, an Zeiten, die fraglos vorbei gehen werden - auf die eine oder andere Weise. Teilweise auch ein bisschen Verantwortung für meine Handlungen zu übernehmen, wo sie das Leben anderer nachteilig beeinflussen und ich nicht in der Lage bin, persönlich Verantwortung zu übernehmen. In der Hoffnung, eines Tages dazu in der Lage zu sein, die Verantwortung auch persönlich zu übernehmen.

Aus obigem Ausführungen wird ersichtlich, das es mir hier zunächst um mich geht. Natürlich hoffe ich, dass der eine oder andere Leser sich hierhin verirrt. Liest. Reflektiert. Kommentiert. Für sich etwas mitnimmt. Aber das sind eben nur Nebenziele.

Und während ich mich über Rückmeldung, Kommentare, gar eMails, sehr freuen würde, möchte ich doch gerne anonym bleiben. Nicht, um mich zu verstecken, um aus dem Verborgenen heraus zu schimpfen, zu beleidigen oder gar Rechtsbrüche zu begehen. Sondern einfach aus dem Gefühl heraus, das Selbsthilfe in Annonymität besser gelingen kann - weil man sich selber schüt;zend zurückziehen kann, wenn das tägliche Leben zu fordernd wird, man überfordert ist.

Ich werde nicht umhin kommen, hier auch von meiner Familie und meinem sonstigen sozialen Umfeld zu berichten. Auch ihnen werde ich Anonymität gewähren. Letztlich würde jemand, der mich persönlich kennt, wohl auch die Figuren meines Lebens wiedererkennen, wie ich sie hier beschreiben werde. Meine 'Verschlüsselung' zu knacken, dürfte jemanden, der mich kennt, nicht schwer fallen. Und wenn es denn sein muss, bitte - entschlüsselt.

Ich mag mich hier über die Personen aus meinem Leben beschweren, ihre Menschlichkeit bemängeln. Letztlich hat mir aber niemand vorsetzlich oder auch nur leichtfertig Probleme bereitet, mich verletzt, gedemütigt oder anderweitig geschädigt. Eigentlich hatte ich mit meinem sozialen Umfeld immer recht großes Glück.

20 Oktober 2006

Was seitdem geschah

Mein letzter Eintrag liegt nun fast 13 Monate zurück. Seitdem hat sich nicht viel gutes getan, dafür aber viel nicht so gutes. Letztendlich hat meine Angst den Wettlauf gegen meine Therapiebestrebungen gewonnen: da ich mit meinen Therapiebestrebungen nicht voran gekommen bin (sondern mich von den vielen kleinen Hürden hab dauerhaft aufhalten lassen, doch dazu später mehr), hat meine Angstproblematik schließlich Überhand gewonnen. Da ich mich kaum noch nach draußen bewegt habe, hab ich mir (schleichend) eine Thrombose geholt und bin in Folge dessen mit einer (leichten) Lungenembolie im Krankenhaus gelandet. Als ich da schließlich raus kam, hatte sich meine Angstproblematik ein gutes Stück weiter entwickelt. Die ersten Panikattacken folgten. Im Sommer konnte ich schließlich meine Wohnung nicht mehr verlassen, ohne starke Angstzustände zu bekommen - begleitet von Zittrigkeit und Herzrasen. Also habe ich meine Wohnung nicht mehr verlassen. Habe mich zunächst von Freunden versorgen lassen. Schließlich konnte ich mich überwinden, und ärztliche Hilfe suchen.
Seit knapp acht Wochen nehme ich mittlerweile ein Antidepressivum. Seit sechs Wochen kann ich das Haus wieder verlassen, habe aber immer noch in gewissen Situationen leichte bis mittelschwere Angstreaktionen. Immerhin kann ich mich wieder selbst versorgen.
Mittlerweile habe ich mich exmatrikuliert (bin also offiziell ein Studienabbrecher) und bin im dem Prozeß, öffentliche Unterstützung zu beantragen.

Und wieder kann ich nur sagen Von hier ab kann es doch eigentlich nur besser werden! ...