05 November 2006

Der Musiker

(Dieser Eintrag beschäftigt sich mit einer Person, die für mein Leben besonders wichtig ist - bei neuen Entwicklungen wird er ergänzt werden)



Geize mit dem Augenblick
aber verschende Dein Leben

Der Musiker hat mit mir angefangen, zu studieren. Es handelt sich um einen kleinen naturwissenschaftlichen Studiengang - viele sozial unbeholfene Jungs, ein paar Mädels. Alles in allem überschaubar und daher lernte man jeden (und meist auch aus dem vorherigen und folgenden Jahrgang) kennen.
Der Musiker zeichnete sich nun dadurch aus, dass er erstens eine Freundin in der Heimat hatte und zweitens durch sein Hobby Musik noch enen zweiten Freundeskreis besaß, während die meisten Komolitonen doch irgendwie auf die Mitstudierenden als Freizeitgefährten angewiesen waren.


Recht schnell erkannte der Musiker, dass er mit dem Studienfach nicht wirklich glücklich werden würde. Er verpasste jedoch den rechtzeitigen Zeitpunkt zum Absprung und ging somit des BAFöGs verlustig. Er suchte sich einen Job, der ihn sehr einspannte und von der Herde entfernte. Als erster erlebte er, wie wenig sich innerhalb der Gruppe um andere gekümmert wurde: wer zufällig anwesend war, wurde zu allen Aktivitäten informiert und eingeladen - aber niemand telefonierte jemandem hinterher (und Handys/SMS/eMail waren noch nicht so verbreitet). Häufig hieß es dann Hat eigentlich jemand dem Musiker bescheid gesagt?. Häufig war die Antwort Schulterzucken ...


Sein Engagement auf der Arbeit und in einer Band führte dazu, dass sich der Musiker häufig mit mehreren kolidierenden Terminen konfrontiert sah. Zumeist schien er erstmal bei allen zuzusagen (bzw. nicht NEIN zu sagen) und sich erst kurzfristig für einen bestimmten zu entscheiden. Das brachte ihm den Spitznamen Kapitain zuverlässig ein - "Kommt 'der Musiker'? - Er hat 'vielleicht' gesagt ... - Also 'Nein!'" ...


Er trennte sich schließlich - nach monatelangen Ankündigungen - von seiner Freundin und hatte schon ein Auge auf eine Komolitonin geworfen. Die älteste Geschichte der Welt: Junge verliebt sich in Mädchen - Mädchen will 'nur Freunde' sein - Junge geht drauf ein, kommt aber nicht über sie hinweg - sie beginnt eine Beziehung - Junge besäuft sich und beleidigt sie im besoffenen Kopf. Was ein weiterer Grund für seine Entfernung von der Gruppe sein dürfte.


Der Musiker setzte sein Leben fort, versuchte sich in zwei Durchgängen an der örtlichen FH (was teilweise an Desinteresse, teilweise an Koordinatiosproblemen zwischen Job und Studium lag), fand eine neue Freundin, zog mit ihr zusammen. Es folgte lange Zeit relative Funkstille.


Prinzipiell habe eigentlich nur ich Kontakt zu ihm gehalten, und das auch aus wenig altruistischen Gründen: er hatte eine Flatrate und ich wollte Sachen heruntergeladen haben. Erwähnenswert ist auch, dass der Musiker bei einem Umzug nicht - wie sonst allgemein üblich - auf die Hilfe der versammelten Gruppe zurückgegriffen hat, sondern das mit zwei Arbeitskolegen selbst in die Hand nahm - obwohl er bei Umzügen anderer Leute stets hilfsbereit war.


Es kam zum abrupten Ende seiner Beziehung, und damit hatte er wieder mehr Zeit. Mittlerweile hatte er ein Fernstudium begonnen und dank guter Fortschritte war klar, dass er das zuende bringen würde. Zudem begann er mehrere Hobbies: Golfen, InternetPoker, AmericanSports. Auch weiterhin ging er durch verschiedene soziale Gruppen, und hat aus den letzten zehn Jahren eigenen Angaben zufolge genau einen Freund 'mitgenommen'.


Im Zuge meiner Erkrankung ist er über sich hinausgewachsen, das kann man nicht anders sagen. Er ist zwar nicht der Typ, der bei mir anruft und fragt, Was kann ich tun? oder auch nur Wie geht es Dir?. Aber bei jedem Ich brauche ... war er sofort zur Stelle. Ob es nun mein Hilfeersuchen aus dem Krankenhaus war (ich bin für mich eher überraschend wegen einer Thrombose vom Hausarzt eingewiesen worden und hatte daher keine Kleidung dabei), gelegentliches Einkaufen (er musste immerhin vom anderen Ende der Stadt anreisen), Begleitung bei meinem ersten Einkaufen und schließlich bei meinem Kontakt mit dem Arbeitsamt (beim ersten mal vier Stunden Schlangestehen, Begleitung beim zweiten Termin).
Dafür bin ich ihm ewig dankbar!

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