07 Dezember 2006

Von Würde, Medikamenten und Zuzahlung

Wie aufmerksamen Lesern bekannt ist, stecke ich momentan in der blöden Lage, auf eine Bewilligung von staatlicher Sozialhilfe warten zu müssen, während mein Konto andrerseits quasi unter Beobachtung steht: sämtliche Geldeingänge werden mir als Einkünfte angerechnet - auch wenn sie nur als Leihgabe der aktuellen Sicherung meiner grundlegendsten Bedürfnisse dienen sollten. Da ich vorher ja in der Ausbildung steckte, sind auch keine Rücklagen vorhanden. Ergo heißt das, dass ich Momentan ziemlich sparsam sein muß.

In diesem Zusammenhang wird dann die Zuzahlung bei Medikamenten ein Thema. War es auch bisher aufgrund meines beständig geringen finanziellen Spielraumes nicht immer angezeigt, mir Medikamente sofort zu kaufen sondern lieber bis zum nächsten Monatsanfang zu warten, ist die Lage momentan doch deutlisch angespannter. Hinzu kam schon früher eine gewisse soziale Scham, weil Medikamente ja nun mal zwischen 5 und 10 € Zuzahlung kosteten und man prinzipiell ja nicht vor der unangenehmen Überraschung gefeit war, dass man unvermittelt mehr als erwartet hätte zahlen müssen. Auch, bei jedem Medikamentenkauf vorher zu fragen, Was ist denn da die aktuelle Zuzahlung ist keine angenehme Situation - noch weniger die Möglichkeit, sagen zu müssewn Oh, dass kann ich mir heute nicht leisten, ich komm dann noch mal wieder. Auf der anderen Seite die Alternative, auf verschriebene Medikamente zu verzichten. Wie war das mit der Unantastbarkeit der Wüde des Menschen?

In meiner mometanen Situation muß ich mich schon fragen, welches meiner Medikamente unerläßlich ist, und was nur die Lebensqualität steigert. Das ist in Gesundheitsdingen schon eine harte Frage - bei insgesamt drei Medikamenten aber durchaus schnell zu beantworten. So kam ich zu dem Schluß, ein mir ausgestelltes Rezept für ein Medikament der letztern Gruppe vorerst nicht einzulösen. Mit dem Effekt, dass mir nun beständig leicht übel ist, vergleihbar mit der Morgenübelkeit nach übermäßigem Alkoholkonsum. Nur eben beständig. Ich hatte es ja schon erwähnt: manchmal bin ich ein Trottel!
So gelang es mir, doch tatsächlich - erneut - meine Rezepte durcheinander zu hauhen und in der Apotheke das falsche Rezept vorzulegen. Als ich also murrend mein Portemonaie zücken wollte, wurde ich informiert, dieses Präperat ist nach der neuesten Reform von der Zuzahlung komplett befreit ... Ratet mal, wie ich mich danach gefühlt habe. Ich gebe Euch einen Tipp: es war nicht würdevoll ...

Es gibt ja für Leute in meiner Situation durchaus Lichtblicke, denn bekanntlich gibt es ja eine Obergrenze für Zuzahlungen von jährlich 2% des Brutoeinkommens. Dank Krankenhausaufenthalt bin ich da dann auch deutlich drüber, eher so Richtung 4%. Natürlich finden sich solche Informationen auf der Homepage meiner Krankenkasse. Es findet sich sogar der Hinweis, das chronisch Kranke nur insgesamt 1% des Brutolohnes zuzahlen müssen sowie die Möglichkeit, sich gegen Zahlung von 2% des Brutolohnes im Vorraus (am Jahresanfang) für das Jahr von der Zuzahlung frei zu machen. Natürlich findet sich nicht, was man den nun "durchmachen muss", um als chronisch Kranker anerkannt zu werden. Natürlich findet sich auch nach intensiver Suche keine Infos zum Einreichen oder Beantrage einer Rückerstattung "zuviel" geleisteter Zuzahlungen, kein Vordruck Marke Einkomen dies, Zuzahlung dass, als Anlage die entsprecheden Belege. Nicht mal eine postanschrift für diesen Zweck.
Mal ganz abgesehen davon, dass in Deutschland niemand auf die Idee käme, dass die Krankenkasse, mich - ihren Kunden - darauf hinzuweisen, sollten mir Rückzahlungen zustehen (denn was ich als Einkünfte habe, dass wollen sie ja schon wissen, um meinen Beitrag festlegen zu können ...).

Zum Schluß bleibt dann eigentlich nur die (bange) Frage, ob das Arbeitsamt eine Rückzahlung der zuviel geleisteten Zuzahlungen letztlich auch als Einkünfte wertet ...

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