29 Juni 2007

Sieg der Nostalgie über den Verstand

Ich spiele gerne Brettspiele. Gerne auch anspruchsvollere Kartenspiele. Eher selten 'einfachere' Kartenspiele wie z.B. Uno. Eigentlich nie, alles was man mit einem 'normalen' 1-2x 55 Kartenblatt spielt.

Mein Kaufverhalten, was Spiele angeht, ist nun zutief schizophren, und teilt sich genau in zwei Extreme auf. Entweder, ich bin in einer alles was ich mal (mit Spass) gespielt habe, muss ich kaufen-Phase, ODER, ich rechne die Kosten der Spiele in Alltagsgegenstände um, komme zu dem Schluss, dass ich für 'mein Geld' wesentlich mehr bekommen kann, und bin extrem geizig. Diese beiden Extreme beobachte ich an mir bereits, seit ich vor knapp 12 Jahren das erste mal meinen Fuss auf die Essener Spielwarenmesse gesetzt habe.

Ein Spiel, dass ich wirklich einmal mit viel Spass in einer sehr geselligen Runde gespielt habe, ist das Kartenspiel Willi Wacker (dessen Zeichnungen wohl auch an einen kultigen Comicstrip angelegt sind). Es ist eher simpel gestrickt - im Hintergrund geht es um einen Saufabend, bei dem möglichst viele Bier geschluckt werden müssen, bevor sie 'unter die Räder kommen' - und eignet sich besonders, um im angetrunkenen Zustand gespielt zu werden.
Wie gesagt, mit dem Spiel verbinde ich durchaus angenehme Erinnerungen. Leider ist es seit Jahren out of print, also nur noch im Antiquariat oder beim Internetauktionshaus zu finden.

In den letzten Jahren ist mir nun auch die schöne Erinnerung, die ursprünglich mit dem Spiel verbunden war, sauer geworden. Mit anderen Worten - für mich gibt es eigentlich keinen Grund, das Spiel zu erwerben. Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass ich jemals wieder mit einer fröhlichen Trinkerrunde beisammen sitze, und das Spiel auspacken wollen würde.

Nach knapp achtjähriger Jagd hat es sich nun ergeben, dass ich beim Interentauktionshaus ein Schnäpchen gefunden habe - und da habe ich dann zugeschlagen.

Nun habe ich das Spiel hier. Aber irgendwie ist es ein leerer Sieg, der hohl, aschig schmeckt. Keine kindliche Freude kam auf, als ich das Päckchen aufmachte. Keine fröhliche Ich weiss, dann und dann werden wir das mal spielen. Mehr ein Verlust denn ein Sieg, eine Hommage, an eine längst vergangene Zeit, die unwiederbringlich vorbei ist - und von der ich mich offensichtlich doch nicht trennen kann.
ich ärgere mich über mich selbst, dass ich das noch nicht hinter mir gelassen habe. Und jetzt habe ich auch ein physische Objekt, das mich immer an diesen Ärger erinnern wird.

27 Juni 2007

Interviewt

Vor knapp zwei Wochen wurde ich im Rahmen einer großen Befragung zum Thema Lebensqualität und Alterssicherung befragt. War mal wieder eine Gelegenheit, meine Küche auf Vordermann zu bringen.

Ich bin sehr 'mathe-affin', daher sind Teilnahmen an Umfragen für mich Ehrensache. Schließlich können die Statistiker ihre Arbeit nur richtig machen, wenn alle Leute, die sie zufällig zur Befragung auswählen, auch mitmachen. Wäre ja blöd, wenn sie nur falsche Ergebnisse bekommen, weil sich alle Arbeitslosengeld II-Empfänger der Befragung verweigern würden.

Zudem war der Interviewer ein recht sympathischer Mann Anfang/Mitte vierzig. Bereits, als er das erste Mal vor meiner Tür stand, um mich über mein Interesse an einer Befragungteilnahme ... nun ja, zu befragen, hatten wir ein sehr gutes Verhältnis. Was ein weiterer Grund für meine Teilnahme war - auch wenn die laptopunterstützte Befragung etwa eine dreiviertel Stunde dauern sollte, und ich für den Interviewtermin dann doch mal wieder 'ordentlich' aufräumen musste.

So verlief das eigentliche Interview dann sehr entspannt in einem Klima gegenseitiger Sympathie. War schon irgendwie dämlich: er versuchte, nett, zuvorkommend und - ob meiner Situation als Arbeitsloser - besonders verständig zu sein, gleichzeitig war er sich allerdings der Rolle als Gesicht seiner Firma bewusst und versuchte daher, professionell zurückhaltend zu sein. Das Interview wäre sicherlich auch bei einem Bierchen durchführbar gewesen.
Schön fand ich es, als sich nach dem Interview (Ich mach den Rechner jetzt 'zu'!) noch ein Gespräch entspannte (er arbeitet 'freiberuflich' und hatte deswegen die Zeit, zudem ist er erst vor wenigen Monaten zugezogen). Auch er wusste aus dem Gespräch bereits von meiner 'Matheafinität' und meinem Interesse an seiner Tätigkeit. So berichtete er - natürlich anonymisiert und anekdotenhaft - von seine privaten Erfahrungen als Interviewer, besonders von einigen Erlebnissen, die ihn tief beeindruckt hatten. Darunter waren die eine oder andere Lebenssituation von anderen Arbeitslosen, die unter - wie er fand - unwürdigen Lebensbedingungen 'hausten'.

Ein weiterer Punkt aus dem Gespräch beschäftigt mich seitdem, weil er meine private Wahrnehmung aufgebrochen hat. Ich bin ja schon recht lange gesundheitlich nicht auf der Höhe. Ich habe seit sechs Jahren Teils erhebliche Magenbeschwerden gehabt, dazu kommen diverse andere Probleme. Mein Umfeld und ich, wir haben uns an diesen Zustand gewöhnt. Er ist zur 'Normalität' geworden. Doch diesen armen Interviewer hat es vollkommen verstört, dass ich auf einer Skala von '1 bis 10' meinen Gesundheutlichen Status mit '2' angab. Das war etwas, worüber er nicht hinweg zu kommen schien, mehrfach machte er um diesen Komplex herum bedauernde Bemerkungen.
Das hat mich aufgerüttelt.

Und so denke ich, dass dieses Interview ein beiderseitig befruchtendes Erlebnis war.

P.S. nach dem Korrekturlesen dieses Beitrages fühle ich mich irgendwie dazu berufen, mich als heterosexuell zu outen ... weiß auch nicht, wieso ...

25 Juni 2007

Tempus fugit ... again

Das war dann mal wieder eine größere Pause ... 'nur' knapp ein halbes Jahr. Davon werden die Formalia, die ich eintragen wollte, bevor ich 'richtig' losblogge, auch nicht weniger. Deswegen hier erstmal ein Best off, als Schlaglichter:

  • Habe im Jannuar eine ambulante Therapie begonnen
  • Bin seit Mitte Februar nicht mehr krank geschrieben - Anfang diesen Monats (also dreieinhalb Monate später) kam dann auch die ARGE in die Pötte und ich wurde als vermittelbar im System aufgenommen.
  • Dafür ist der nächste HARTZ IV Bescheid in Rekordzeit durchgewunken worden, und ab August gibt es dann ja auch zwei Euro mehr pro Monat ...
  • Ich beteilige mich an einem Onlineprojekt, für das ich gelegentlich längere Rezensionen erstelle, die dann von immerhin jeweils knapp 1000 Leuten gelesen werden.
  • Ich habe - ungewöhnlich für mich - tatsächlich mal ein unfangreiches privates Projekt angefangen und abgeschlossen (bestehend aus Lesen und online Rezensieren); meist suche ich mir ja leider Projekte aus, die sowieso nicht abschließbar sind (Rezensionen von laufenden Produktreihen, die schneller wachsen, als ich nachkomme)
  • Natürlich habe ich den Schwung aus dem abgeschlossenen Projekt nicht mitnehmen können; momentan bin ich an einem anderen Projekt beschäftigt lese dort viel, kann mich aber nicht 'überwinden', mich an den Rechner zu setzen und zu rezensieren