27 Juni 2007

Interviewt

Vor knapp zwei Wochen wurde ich im Rahmen einer großen Befragung zum Thema Lebensqualität und Alterssicherung befragt. War mal wieder eine Gelegenheit, meine Küche auf Vordermann zu bringen.

Ich bin sehr 'mathe-affin', daher sind Teilnahmen an Umfragen für mich Ehrensache. Schließlich können die Statistiker ihre Arbeit nur richtig machen, wenn alle Leute, die sie zufällig zur Befragung auswählen, auch mitmachen. Wäre ja blöd, wenn sie nur falsche Ergebnisse bekommen, weil sich alle Arbeitslosengeld II-Empfänger der Befragung verweigern würden.

Zudem war der Interviewer ein recht sympathischer Mann Anfang/Mitte vierzig. Bereits, als er das erste Mal vor meiner Tür stand, um mich über mein Interesse an einer Befragungteilnahme ... nun ja, zu befragen, hatten wir ein sehr gutes Verhältnis. Was ein weiterer Grund für meine Teilnahme war - auch wenn die laptopunterstützte Befragung etwa eine dreiviertel Stunde dauern sollte, und ich für den Interviewtermin dann doch mal wieder 'ordentlich' aufräumen musste.

So verlief das eigentliche Interview dann sehr entspannt in einem Klima gegenseitiger Sympathie. War schon irgendwie dämlich: er versuchte, nett, zuvorkommend und - ob meiner Situation als Arbeitsloser - besonders verständig zu sein, gleichzeitig war er sich allerdings der Rolle als Gesicht seiner Firma bewusst und versuchte daher, professionell zurückhaltend zu sein. Das Interview wäre sicherlich auch bei einem Bierchen durchführbar gewesen.
Schön fand ich es, als sich nach dem Interview (Ich mach den Rechner jetzt 'zu'!) noch ein Gespräch entspannte (er arbeitet 'freiberuflich' und hatte deswegen die Zeit, zudem ist er erst vor wenigen Monaten zugezogen). Auch er wusste aus dem Gespräch bereits von meiner 'Matheafinität' und meinem Interesse an seiner Tätigkeit. So berichtete er - natürlich anonymisiert und anekdotenhaft - von seine privaten Erfahrungen als Interviewer, besonders von einigen Erlebnissen, die ihn tief beeindruckt hatten. Darunter waren die eine oder andere Lebenssituation von anderen Arbeitslosen, die unter - wie er fand - unwürdigen Lebensbedingungen 'hausten'.

Ein weiterer Punkt aus dem Gespräch beschäftigt mich seitdem, weil er meine private Wahrnehmung aufgebrochen hat. Ich bin ja schon recht lange gesundheitlich nicht auf der Höhe. Ich habe seit sechs Jahren Teils erhebliche Magenbeschwerden gehabt, dazu kommen diverse andere Probleme. Mein Umfeld und ich, wir haben uns an diesen Zustand gewöhnt. Er ist zur 'Normalität' geworden. Doch diesen armen Interviewer hat es vollkommen verstört, dass ich auf einer Skala von '1 bis 10' meinen Gesundheutlichen Status mit '2' angab. Das war etwas, worüber er nicht hinweg zu kommen schien, mehrfach machte er um diesen Komplex herum bedauernde Bemerkungen.
Das hat mich aufgerüttelt.

Und so denke ich, dass dieses Interview ein beiderseitig befruchtendes Erlebnis war.

P.S. nach dem Korrekturlesen dieses Beitrages fühle ich mich irgendwie dazu berufen, mich als heterosexuell zu outen ... weiß auch nicht, wieso ...

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