Sanni hat heute Geburtstag, wird 31. Und ich möchte ihr sagen Happy Birthday, bitch.
Sanni und ich haben eine (vermutlich nur in meinen Augen) wechselvolle Geschichte. Zu Beginn meiner Studienzeit bildeten sich, ob eines eher 'überschaubaren' Jahrgangs, recht schnell kleinere Grüppchen, die lange in dieser Form bestehen bleiben sollten. Ganz in meiner Art fand ich erst spät Anschluss, war von den Leuten in meiner Gruppe aber nicht so angetan. So begann ich schließlich ein gewisses Nomadenleben zwischen den Gruppen.
Sanni gehörte der Gruppe der, ich nenn' sie mal Töchter aus gutem Haus, an: zwei Arzttöchter, eine aus 'ner Lehrerfamilie und bei einer weiß ich's gar nicht mal. Alle auf jeden Fall mit einigem an Geld im Hintergrund, aufgewachsen mit einem gewissen Fleiß und äußerlich hübsch anzusehen (Anmerkung: wir reden hier aber immer noch über 'Naturwissenschaftler'). Aber keine ausgemachten Streber, keine Miststücker, Krähen oder so. Leute, mit denen man im Laufe der Zeit klar kommen konnte.
Sanni war dabei schon immer ein bisschen die Wanderin zwischen den Welten, weil sie auch mit einigen Jungs Rollenspiel betrieb. Zu der Gruppe stieß ich später auch, worüber ich Sanni näher kennen lernte.
In unserem fünften Semester ergab es sich, dass alle anderen Mädels aus ihrer Gruppe ein Auslandssemester einschoben. Für die eigentlich schüchterne Sanni kein leichtes Los. Natürlich waren wir Jungs alle extranett zu ihr. Allerdings hatte Sanni bei einigen die (vermutlich bisweilen begründete) Befürchtung, dass sie 'mehr' wollen könnten.
Da ich eingentlich der einzige war, der ihre Vorliebe für Diskotheken teilte, unternahmen wir gelegentlich was zusammen. Ich holte mir meinen obligatorischen Korb bei ihr ab - was wie immer (bei mir und ehemals angehimmelten Frauen) aber auch dazu führte, dass wir uns in der Folge besser verstanden - weniger Spannung, mehr Raum für Ehrlichkeit. Auch bei anderen Aktivitäten bot es sich an, dass ich einen kleinen Umweg einlegte und sie 'sicher' nach hause brachte. Keine große Sache, gentlemanlike eben.
Wie wir alle hatte hauch Sanni ihr psychisches Päckchen zu tragen. Wie bei den meisten Mädchen waren es weitestgehend Mutterprobleme: ihre Mutter hatte einerseits in der Jugend einen Bruder durch eine (sexuelle) Gewalttat verloren und beschäftigte sich andererseits berufsmäßig mit der vormundschaftlichen Betreuung von Teenagern mit ungeplanten Schwangerschaften. Beide Problematiken projizierte sie auf die Tochter, deren Jugend dadurch nicht schöner wurde. Zudem lebte die Familie auf dem Land, was ebenfalls einer freien Entfaltung von Sanni im Wege stand - sie war mehr ein Typ, der gerne was unternahm, und im Rahmen eines ländlichen Kaffs vermutlich auch ein 'Freigeist'. Dazu kommt Sannis Anziehungskraft auf das männliche Geschlecht (gut gefüllte 'B's, die Ausstrahlung von Hilfsbedürftigkeit), die ihr mehr Probleme als Freude bereitete sowie die Tatsache, dass sie sehr mitfühlend ist, und immer die Last ihrer gesamten Umgebung auf den Schultern zu tragen scheint.
Während wir also mehr Zeit miteinander verbrachten, sagten bösere Zungen in unserem Bekanntenkreis, dass Sanni dringendst auf der Suche nach einem 'Neuen' sei (nachdem ihre Beziehung in der Heimat zerbrochen war). Nun, ich sah das nicht so - aber Menschenkenntnis ist auch nicht meine starke Seite. Es gelang einem Jungen, ihr Herz zu erobern. Zu der Zeit kamen auch ihre Freundinnen wieder.
Mit anderen Worten: die Zeitanteile, die mit ihr zu verbringen ich zu mögen gelernt hatte, wurden von ihr nun anderweitig verplant. Sanni wäre nicht Sanni, wenn sie nicht versucht hätte, mich in diverse Gruppenaktivitäten zu involvieren. Aber ich war von der Geschwindigkeit, wie meine Qualtitäts-Zeit mit ihr verschwand, arg enttäuscht, und zog mich wie ein geprügelter Hund sang und klanglos zurück. Und man kann nur eine bestimmte Zeit lang immer 'Nein, Danke' sagen bis man das nächste Mal einfach nicht mehr gefragt wird.
Es wurde also ruhiger zwischen uns. Bei einer gemeinsamen Wochendfahrt unserer Kommilitonen-Gruppe ergab es sich, dass wir die erste Nacht recht lange und eigentlich auch fruchtbar 'schwatzten'. Am Nachmittag des zweiten Tages wachte ich, immer noch stark alkoholisiert, auf ... und im Verlauf der Fahrt 'gewann' ich die Bierliste (die Strichliste, auf der wir zwecks finanzieller Abrechnung unseren Bierkonsum nachhielten; was auch sonst nicht meine Art ist, oder anders gesagt: am Ende des zweiten Abends muß ich verdammt besoffen gewesen sein). Wieder blieben eigentlich nur Sanni und ich übrig, um uns die Nacht um die Ohren zu hauen (oh ja, Sanni kommt mit bemerkenswert bewundernswert wenig Schlaf aus). Und in dieser Nacht muss ich ihr irgendwie 'unrecht' getan haben.
Als Betrunkener bin ich nicht unbedingt unangenehm. Betrunkene und Kinder sprechen die Wahrheit, heißt es, und dass trifft auf mich voll zu. Dumm nur, dass ich normalerweise klug genug bin, diverse nicht immer überlegte eigene Gedanken sowie das, was man sonst so an Geschwätz hört und das berechtigter Weise vornehmlich hinter dem Rücken der Betroffenen stattfindet, für mich zu behalten. Aber bei den wenigen Gelegenheiten, wo ich richtig besoffen bin: full disclosure. Und das stieß Sanni so sehr vor den Kopf, dass sie aufstand, mich fragte, 'ob ich das wirklich meinen würde', und nach meiner verwunderten Bejahung den Raum demonstrativ verließ.
Wie gesagt, ich habe die 'Bierliste' gewonnen und kann mich an den ganz genauen Ablauf nicht mehr erinnern. Auch an meine genauen Worte oder gar unser letztes Thema kann ich mich nicht mehr erinnern. Kein Filmriss, aber doch eine gewisse Vagheit.
Durch meinen Kater am nächsten Tag - und die Notwendigkeit, auf dem Heimweg nicht den Wagen meiner Mitfahrgelegenheit voll zu kotzen - geriet der Abend bei mir in Vergessenheit. Bis mir ein 'Freund' knapp zwei Monate später - Silvester 2001 - auftischte, dass bei einer anderen Gelegenheit die angetrunkene Sanni relativ unvermittelt geäußert habe: 'InTherpie ist nicht nett'.
Was so in etwa dem Todeskuss eines Mafiapaten gleich kommt. Wenig hilfreich war es, dass ihre Freundinnen in Sannis lamentieren mit einstiegen. Keiner 'meiner' Freunde schien widersprochen zu haben. Besagter Informant hoffte wohl nun, dass ich ihm erklären würde, was zwischen mir und Sanni passiert sei. Mir fiel zwar das fragmentarische Wissen über den erwähnten Abend wieder ein. Aber ich hatte nicht die geringste Lust, mit Dritten darüber zu reden. Weil man das nicht macht.
Was dann auch das Ende meiner Verbundenheit zu Sanni bedeutete. Das Tischtuch war zerschnitten, wie man sagt. Kurz darauf fingen schließlich meine gesundheitlichen Probleme an. Sanni konnte diese anscheinend ruhigen Gewissens ignorieren.
Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht gelegentlich meine Meinung Sanni bezüglich geändert hätte. In dubio pro reo. In einer Zeit, wo es mir wieder besser ging, hatte Sanni einen längeren Krankenhausaufenthalt (sagen wir mal: in der großen 'Gen-Lotterie' zu Anfang ihres Lebens hat Sanni einfach eine ganze Menge 'Nieten' gezogen). Leute im Krankenhaus besuche ich immer recht häufig, so auch hier. Aber auch hier kam es - bei all meinem 'Guten Willen' - zu mindestens einer sehr unglücklichen Szene (sowohl Sanni als auch ihre Zimmernachbarin waren bettlägerig, und ich verpatzte Sanni und ihrem Freund unwissentlich eine Situation, in der sie das Zimmer für sich alleine gehabt hätten).
In Zeiten, wo es mir schlechter ging, habe ich auch gelegentlich mal bei ihr angerufen (ich höre gerne anderen Leuten beim Erzählen zu, um mich von eigenen Problemen ablenken zu lassen) - fühlte mich aber immer nach einer gewissen Höflichkeitszeit abgewimmelt. Oder vielleicht haben wir auch nur unterschiedliches Telefonverhalten.
Schließlich startete ich nochmals eine größere Aktion des Guten Willens, lud sie ein. Sie downgradete meine 'Abendeinladung' zu einem Kaffee an der Uni. Im Gegenzug überwand ich mich auch nicht, an von ihr organisierten Gruppenveranstaltungen teil zu nehmen, die mich nicht interessierten (Theater, Cocktailabende).
Schließlich feierte sie noch einen letzen Geburtstag in der Stadt, zu dem ich eingeladen wurde, und ich wurde gefragt, bei ihrem Umzug zu helfen, als sie kurz darauf in beruflichen Dingen die Stadt verließ. (Die Tatsache, dass ich bei ihrem Auszug behilflich war - es hätte meiner Anwesenheit aber nicht wirklich bedurft - gilt mir bis heute als Beispiel dafür, dass ich alles tue - wenn man mich nur einfach fragt).
Naturgemäß wurde der Kontakt von da ab noch weniger. Ich rief noch ein paar Mal an. Aber da sie zu der Zeit eine Fernbeziehung führte, wollte sie doch meistens recht bald auflegen, um mit ihrem Freund telefonieren zu können. Überhaupt ist unser Anrufverhältnis insgesamt wohl etwa grob geschätzt 25:3.
Ich erkannte, dass sie an Freunde eine Art Brieftagebuch schrieb (was sie bereits vorher einmal gemacht hatte). Und diesmal gehörte ich nicht mehr zu den Personen, die es auf die CC-Liste geschafft hatten. Sannis erstes 'offenes' Zeichen mir gegenüber, dass ich nicht mehr auf ihrer guten Seite stand - alles andere hatte sie immer mit Arbeitsbelastung und Fernbeziehung relativiert, zudem hatte sie mich zu ihren Zeiten in unsere Stadt auch immer auf dem Abendplan-Verteiler gehabt. Auch war ich bei ihren Besuchen in 'unserer' Stadt nicht wert, informiert zu werden (hm, vielleicht hat sie das auch über das eMail-Tagebuch organisiert?).
Zu einem späteren Zeitpunkt ergab sich mal eine Gesprächssituation zwischen uns, in der sie anscheinend nicht wusste, dass ich nicht auf dem betreffenden Verteiler war. Und meine Anrufe honorierte sie schließlich, in dem sie zu meinem dreißigsten Geburtstag anrief um zu gratulieren. Natürlich war ich nicht zu hause, und ihr Spruch auf dem Anrufbeantworter war ... eher sehr unglücklich. Ich habe ihn (und einen weiteren Anruf zu jenem Geburtstag) lange Zeit nicht gelöscht und prinzipiell jedes mal angehört, wenn ich eine neue Nachricht auf den AB hatte.
Bei den wenigen Gelegenheiten, wo wir uns noch in Sachen 'Kommilitonen-Gruppe' über den Weg gelaufen sind, war unser Verhältnis eher 'respektvoll kühl', auch wenn ich es mir zur Angewohnheit gemacht habe, diverse Einwürfe und 'dumme/platte Fragen' von ihr zu überhören - Mann gönnt sich ja sonst nichts. Und bekanntlich bin ich ja 'nicht nett'.
Warum ich sie nun für eine b-i-t-c-h- halte, folgt im nächsten Beitrag ...